Surfer im Neoprenanzug trägt sein Surfboard über den Strand

Neoprenanzug: Ausstattung und Preisunterschiede

Herauszufinden, welchen Neoprenanzug du kaufen sollst, ist wie der Versuch, auf Netflix einen Film zu finden, den du und deine beiden Mitbewohner noch nicht gesehen habt. Kurz gesagt: eine Achterbahn der Gefühle. Es gibt einfach zu viel Auswahl – was an sich überhaupt nicht schlecht ist, die ganze Sache zieht sich dadurch nur länger hin als nötig. Und genau wie bei der verwirrenden ‘prozentualen Übereinstimmung’, die Netflix uns unbedingt unter die Nase reiben muss, erfinden Surfmarken Begriffe für Features, die einem Erstkäufer nichts sagen. Ach ja, und die Preise für Neoprenanzüge: Warum unterscheiden sie sich eigentlich so stark? 

Wie bei den meisten Dingen im Leben bekommst du das, wofür du bezahlst. Das heißt: Je besser Neopren, Flexibilität, Haltbarkeit und Einstiegssystem, desto teurer ist der Neoprenanzug in der Regel. Hier erklären wir dir, wie du einen Neoprenanzug anhand seiner Ausstattung und seines Preises auswählst.

Hier findest du alle unsere Neoprenanzüge.

Neopren im Neoprenanzug

Grundsätzlich gilt: Je dicker der Neoprenanzug, desto teurer. Aber es ist nicht so, dass die Surfmarken dich pro mm zur Kasse bitten. Es liegt eher an der Technologie in einem ‘Winteranzug’, die den Preis nach oben treibt. Ärgern musst du dich darüber aber nicht, denn genau diese innovative Technik ist der Grund, warum du länger im kalten Wasser bleiben kannst, als je für menschenmöglich gehalten wurde.

Außerdem gibt es verschiedene Neoprenarten, die zu den unterschiedlichen Niveaus von Neoprenanzügen gehören (Einsteiger, Fortgeschrittene, Profis).

Nylongefüttert (£)

Wenn du neu im Surfen bist und über deinen ersten Neoprenanzug nachdenkst, wird er höchstwahrscheinlich nylongefüttert sein. Nylon ist ein eher klassisches Neopren, das auf der Haut gleitet und das An- und Ausziehen erleichtert – was gerade für Einsteiger entscheidend ist. Außerdem wirkt Nylon wie eine zusätzliche Schutzschicht, wodurch dein Neoprenanzug länger hält und weniger Verschleiß zeigt. Hier geht es zur Quiksilver Syncro Serie.

Smoothskin (££)

Smoothskin-Neopren wird häufig für Schuhe, Handschuhe und Hauben verwendet, die sich perfekt für kalte Bedingungen eignen. Es hat eine Gummioberfläche, die Wasser und Wind abweist und dabei die Wärme hält. Bei Kaltwasser-Neoprenanzügen findest du Smoothskin aber auch oft an Brust und unterem Rücken. Der einzige Nachteil dieses Neoprens: Es ist weniger robust und reißt schnell, wenn du den Anzug nicht richtig anziehst. Hier geht es zum Rip Curl Flashbomb.

Air-Neopren (£££)

Warme Neoprenanzüge sind meistens dick – und das schränkt die Bewegungsfreiheit ein. Wenn du länger als eine Stunde im Wasser sein willst, ist das keine ideale Ausgangslage. Du ermüdest schnell und entscheidest dann, dass ein kaltes Bier vermutlich die passendere Wahl ist, als sich mit Krämpfen durchzukämpfen, um eine Barrel zu erwischen. Deshalb wurde Air-Neopren entwickelt, um Neoprenanzüge wärmer zu machen, ohne sie super dick werden zu lassen. Erreicht wird das durch eine Schicht perforiertes Neopren, das Luft einschließt. Zu finden ist es vor allem bei High-End-Neoprenanzügen. Hier geht es zum O'Neill Legend.

Flexibilität des Neoprenanzugs

Einsteiger übersehen es oft, aber wenn du es mit dem Surfen ernst meinst, sollte Flexibilität ganz oben auf deiner Liste stehen. High-End-Neoprenanzüge sind in der Regel deutlich flexibler als Modelle für Einsteiger. Entscheidend ist Flexibilität für:

  • Müheloses Paddeln
  • Anspruchsvolle Manöver
  • Leichtes An- und Ausziehen des Neoprenanzugs

Was die Flexibilität am meisten einschränkt, ist die Dicke des Neoprens. Und wenn eine Marke in einer ganzen Serie durchgehend dasselbe Neopren verwendet, macht dir das beim Paddeln zu schaffen – es sei denn, du bist Olympiaschwimmer. Deshalb setzen Marken in ihren High-End-Anzügen anderes Neopren ein, um mehr Flexibilität mit Wärme zu verbinden. Das treibt allerdings den Preis nach oben.

Haltbarkeit des Neoprenanzugs (Nahtkonstruktion)

Niemand möchte, dass sein Neoprenanzug schon nach einer einzigen Session auseinanderfällt, geschweige denn nach einem Jahr Surfen. Die Nähte bestimmen aber ganz wesentlich die strukturelle Qualität eines Neoprenanzugs.

Flatlock (£)

Die Neoprenpaneele werden aneinandergelegt und dann durchgenäht, sodass innen eine flache Naht entsteht, die angenehm auf der Haut liegt (aber nicht wasserdicht ist). Diese Nahtart findest du vor allem bei Frühjahrs- und Sommeranzügen für Einsteiger, also 3mm und dünner, Shorties und Springsuits. Hier geht es zur Roxy Performance für Damen.

Stretch Stitch (££)

Manche Hersteller setzen inzwischen auf innovative Nähmethoden, die zwar nicht wasserdicht sind, dafür aber viel mehr Dehnung erlauben als klassische Flatlock-Nähte. Eine spiralförmige Naht liegt im Ruhezustand locker und dehnt sich beim Tragen mit, was leichte, ungehinderte Bewegung ermöglicht – zu finden bei höherwertigen Springsuits und Neoprentops. Hier geht es zum Billabong Salty Jane für Damen.

Glued and Blind-Stitched (££)

Die Standard-Nahtkonstruktion für alle Anzüge in Winterstärke (4mm und dicker) und für höherwertige Springsuits und Shorties. Die Neoprenpaneele werden zuerst verklebt und dann so sorgfältig vernäht, dass die Nadel das Neopren nur zur Hälfte durchsticht. Innen bleibt die Naht dadurch stichfrei und angenehm auf der Haut. Diese Naht ist wasserdicht, kaltes Wasser kommt also nicht hinein. Hier geht es zur Roxy Syncro Serie für Damen.

GBS Taped (££)

Werden GBS-Nähte innen mit einem elastischen Neoprenband abgeklebt, wird die Naht noch dichter und vor allem haltbarer. Das heißt: Du bleibst über mehr Sessions hinweg trockener als mit einer einfachen GBS-Naht. Je mehr Tape im Anzug verarbeitet ist, desto trockener und wärmer bleibst du, und desto länger hält dein Anzug. Anzüge der Mittelklasse sind teilweise getapt, oft nur an den kritischen Nähten (dort, wo der Anzug zuerst verschleißt), während höherwertige Mittelklasse-Anzüge innen 'fully taped' sind. Hier geht es zum Rip Curl G-Bomb für Damen.

GBS Liquid Seal (£££)

Wie der Name schon sagt, kombiniert diese Naht eine GBS-Konstruktion mit flüssigem Neopren, das über die äußere Naht gegossen wird. Das macht sie doppelt wasserdicht und deutlich haltbarer – du müsstest erst die komplette Liquid-Naht durchscheuern, bevor du überhaupt an die Stiche kommst. Diese Naht findest du bei High-End-Anzügen, und die Topmodelle haben ein noch dünneres Liquid Seal, was Gewicht spart und die Flexibilität verbessert. Oft sind GBS-Liquid-Seal-Nähte innen zusätzlich teilweise getapt, um die Haltbarkeit weiter zu erhöhen. Hier geht es zum Rip Curl Flashbomb.

Double Liquid Seal – Stitchless (£££)

Ja, ganz ohne Stiche... Die Neoprenpaneele werden aneinandergelegt und flüssiges Neopren wird von Hand in dünnen Linien innen und außen über die Verbindungsstellen gegossen. Das ist aufwendig und teuer und deshalb nur bei den Topmodellen der führenden Marken zu finden, oft unter einem eigenen Namen für diese Nahtart. Sie ist ultra-wasserdicht und extrem haltbar, auch wenn die Dehnbarkeit leicht darunter leidet. Hier geht es zum Billabong Furnace.

Einstiegssystem

Das An- und Ausziehen eines Neoprenanzugs wirkt beim Surfen wie eine Nebensache, aber glaub uns: Es ist ein entscheidender Punkt, der dein Gefühl für eine ganze Session verändern kann. Und ja, das jeweilige System bestimmt oft auch den Preis.

Rückenreißverschluss (£)

Ahh, die Nostalgie. Wenn du vor der Jahrtausendwende geboren bist, hatte dein erster Neoprenanzug garantiert einen Rückenreißverschluss. So war das damals eben. Heute steht der Rückenreißverschluss meist für Einsteiger-Neoprenanzüge, bei denen die Schulterbewegung durch den Klettverschluss und die Tatsache, dass Reißverschlüsse nicht dehnbar sind, oft eingeschränkt wird. Wenn du aber neu im Surfen bist, ist er die beste Wahl für den Einstieg! Und wenn du kräftiger oder breiter gebaut bist, ist der Rückenreißverschluss ebenfalls eine gute Option, weil du leichter hineinkommst. Für Herren: Quiksilver Syncro. Für Damen: Rip Curl Omega für Damen.

Brustreißverschluss (££)

Der Brustreißverschluss ist das beliebteste Einstiegssystem überhaupt und der Favorit unter regelmäßigen Surfern und allen, die sich Richtung Profiniveau bewegen. Es kommt deutlich weniger Wasser hinein als beim Rückenreißverschluss, du bleibst also länger warm, und beim Paddeln hast du mehr Bewegungsfreiheit. Für Herren: Quiksilver Syncro +. Für Damen: Billabong Salty Dayz für Damen.

Ohne Reißverschluss (£££)

Ähnlich wie beim Brustreißverschluss findest du den zipfreien Einstieg bei High-End-Neoprenanzügen. Wenn du es mit dem Surfen ernst meinst und das Maximum aus einer Session herausholen willst, ist ein Anzug ohne Reißverschluss genau richtig für dich. Die maximale Dehnbarkeit erlaubt scharfe Manöver und ermüdet dich nicht, sodass du länger im Wasser bleiben kannst. Wichtig ist allerdings: Ein zipfreier Anzug ist nicht so haltbar wie ein Anzug mit Brustreißverschluss, weil die Neoprenpaneele beim mehrfachen An- und Ausziehen stark gedehnt werden. Für Herren: Rip Curl Flashbomb . Für Damen: Rip Curl G-Bomb für Damen.

 

Am Ende entscheidet oft schlicht die persönliche Vorliebe, welchen Neoprenanzug du wählst. Je mehr du aber surfst, desto besser verstehst du die Dynamik eines Neoprenanzugs und warum bestimmte Elemente die Performance im Wasser beeinflussen.

Wenn du dir immer noch nicht sicher bist, welcher Neoprenanzug der richtige für dich ist, ruf uns einfach unter 01702 295678 an. Wir hören gerne von dir und helfen dir weiter.

 

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Geschrieben von Sam Quennell

@wetsuitoutlet

 

Updated on 3rd March 2020

Originally published on 5th September 2018 in Wetsuit Guides